Ein Weinberg im Bergischen Land

Ain Karem – Therapie- und Exerzitienhof eingeweiht

Das Bergische Land, speziell das Oberbergische, ist zwar landschaftlich gesehen durchaus hügelig, doch Weinberge mit ausgeprägter Südhanglange sucht man in diesen Landstrichen vergeblich. Umso verwunderlicher erscheint die Namenswahl für den Therapie- und Exerzitienhof Ain Karem. Dieser Begriff stammt aus der hebräischen Sprache und bedeutet soviel wie Weinbergquelle. Über die letzten zwei Jahre wurde der vormals landwirtschaftlich genutzte Hof durch den neuen Eigentümer Michael N. Schenk aufwendig umgebaut, um dort neben interaktivem Mehrgenerationenwohnen Raum für Seminare und geistliches Leben sowie therapeutische Arbeit zu schaffen. Schenk selbst ist Theologe, Priester sowie Heilpraktiker und Dozent für Psychotherapie mit langjähriger Praxiserfahrung.
Ein Schwerpunkt dieses Hofs ist die aus dem alten Siloturm entstandene Hofkapelle Sankt Mariä Begegnung, die durch einen quadratischen Erweiterungsbau des runden Silos Raum für bis zu 15 Personen bietet, um dort gemeinschaftlich Gottesdienste und Andachten zu feiern. Einzelne Elemente der Kapelle wurden von verschiedenen Künstlern gestaltet. Die Mensa des Altars bildet eine Scheibe aus etwa 22 Millionen Jahre altem versteinerten Holz, die auf einem Altargestell des Stahlkünstlers Tobias Drave aus Hamburg ruht. Das Besondere an dieser Idee ist, dass das Gestell die Konturen der Mensa aufgreift und so der Eindruck eines stilisierten Baumstumpfes entsteht. Aus derselben Schmiede stammen auch die Sockel für Tabernakel und Madonna. Die aus Lindenholz von der Künstlerin Barbara Tappeser-Köhler geschlagene fast lebensgroße Madonna trägt den Namen „Maria unterm Kreuze“ und zeigt die Züge der trauernden Mutter, die sich im Leid suchend nach dem Größeren wendet. Den Lindenholzstamm durchzieht ein Riss, der an die Weissagung des Propheten Simeon erinnert: Dir wird ein Schwert durch die Seele dringen.
„Ich wünsche mir, dass diese Kapelle allen Menschen überkonfessionell offen steht“ sagte Schenk bei seiner Eingangsrede und „dass sie als Raum des Aufatmens und der geistigen Erholung angenommen werde.“

Die Feier

Höhepunkt der Feierlichkeiten bildete der festliche Freiluftgottesdienst, an dem trotz kurzer Regenschauer rund 250 Menschen teilnahmen. In diesem Gottesdienst segnete Dr. Matthias Ring aus Bonn den Hof sowie die Kapelle und weihte den Altar. In seiner Predigt deutete der Bischof den Begriff Ain Karem (Weinbergquelle) anhand der Begegnung von Maria und Elisabeth im Lukasevangelium. Wie die beiden Frauen im Evangelium einander begegneten, so soll auch Ain Karem ein Ort der menschlichen Begegnung und des Austauschs sein auf der Suche nach Gott, Gemeinschaft und Heilung. So kann dieser Ort zur Quelle im übertragenen Sinn werden, wenn man auch auf Ain Karem im Oberbergischen in Stranzenbach Weinberge vergeblich sucht.
Das Hoffest wurde musikalisch gerahmt durch das presigekrönte Akkordeon-Quintett „Taste Töne“ aus Ruppichteroth sowie durch das Hornensemble Siegburg/St. Augustin unter der Leitung von Erwin Gierlach. Einen weiteren musikalischen Programmhöhepunkt bildete das Benefizkonzert „Stairway to Paradise“ mit der Konzertsängerin Christiane Grümmer-Hohensee und ihrem Ehemann, dem Pianisten Franz-Josef Grümmer zugunsten des Hilfswerkes St. Martin. Das Hilfswerk St. Martin – Helfen durch Teilen e.V. wird sich mit eigenen sozialen Projekten auf dem Hof Ain Karem engagieren.
Nach der feierlichen Weiheliturgie, die Franz-Josef Grümmer zusammen mit dem „Jungen Chor St. Michael“ aus Waldbröl musikalisch gestaltete, sprach Bürgermeister Loskill ein Grußwort, in dem er die alt-katholische Kirche nun auch in der Gemeinde Ruppichteroth freudig willkommen hieß.
Auf beide Festtage gesehen besuchten rund 500 Menschen Ain Karem.